Der Maler, Bildhauer und Grafiker Julian Schnabel (*1951, New York) ist einer der bekanntesten Vertreter des New Yorker Neo-Expressionismus der 1980er Jahre. Als einer der produktivsten Künstler aus der Generation der Postmoderne ist er auch einer der umstrittensten. Als Reaktion auf die als zu asketisch und zu intellektuell verstandene Minimal Art und Konzeptkunst versuchte Schnabel, gemeinsam mit Kollegen wie Jean-Michel Basquiat oder David Salle, der Malerei eine neue Expressivität und Emotionalität zu geben, indem er sich in überbordender Weise neuer Materialien, übergroßer Formate oder weiter Thematiken bediente. Seit den 1990er Jahren ist Schnabel darüber hinaus auch als Regisseur mehrerer Filme bekannt, der mit Basquiat (1996) ein erfolgreiches Porträt der ihm selbst so gut bekannten New-Yorker Kunstszene realisierte.

Hector

Julian Schnabel
Hector, 1989
Gemischte Technik auf Plane
335 x 498 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 1997
Apport FOCUNA
© Foto: Rémi Villaggi

Nachdem er einige Jahre auf Oberflächen von zerbrochenem Porzellan, den berühmten „Plate-Paintings“, gemalt hatte, wandte sich Schnabel anderen, durch ihre Geschichte mit Bedeutung aufgeladenen Materialien zu, wie Zeltplanen oder liturgischem Gerät aus der katholischen Religion. Hector, von 1989, ist hierfür ein gutes Beispiel. Zwei ähnlich gerundete, zueinander versetzte weiße Formen schaffen eine räumliche Tiefe auf der aus einer unbemalten Zeltbahn bestehenden Bildfläche. Dazwischen befindet sich der verzierte Fries eines Baldachins aus einer barocken spanischen Kirche, der teilweise von einem weiß gemalten Balken überdeckt ist. Ohne offensichtlichen Bezug zum Bild mag der Titel sich auf den Helden des trojanischen Krieges beziehen oder auch auf Hector Babenco, einen Freund des Künstlers und brasilianischen Filmregisseur. Durch die Verbindung von suggestiven Formen mit geschichtsträchtigen Elementen und einem viel sagenden Titel gelingt es Schnabel, ein bedeutungsvolles Werk von großer Offenheit und Dichte zu schaffen.