Die Bilder des Schweizer Malers Helmut Federle (*1944) stellen regelrechte Aufgaben für das Sehen dar. Als Student an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel interessierte er sich nicht nur für die abstrakten Werke der amerikanischen Maler, die er im dortigen Kunstmuseum entdeckte, sondern auch für Kulturen, die er auf Reisen nach Indien, Afghanistan und Nepal kennenlernte. Weitere Reisen sollten ihn später auch mit den Kulturen Südamerikas bekannt machen. In den 1970er Jahren, als Federle noch zwischen der Karriere eines Rockmusikers und der eines Bildenden Künstlers schwankte, bewegten sich seine Werke zwischen Figuration und Abstraktion. 

Untitled (September)

Helmut Federle
Untitled (September), 1996
Acryl auf Leinwand
275 x 412,5 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Apport FOCUNA
Ankauf 1999
© Foto: Rémi Villaggi

Im Jahr 1977 schlug er dann in der Malerei einen geometrischen Pfad ein, der formal zwischen Konkreter Kunst und Farbfeldmalerei zu situieren wäre, würde der Künstler ihn nicht selber als Ausdruck seiner intensiven spirituellen Suche verstehen. Tief beeindruckt vom Buddhismus, suchte Federle mit seinen Bildern Antworten und Sinn. Bei einer zahlenmäßig nur geringen malerischen Produktion verfeinerte und reduzierte er während eines vierjährigen Aufenhaltes in New York ab 1979 sein Formenvokabular und sein farbliches Spektrum.

Untitled

Helmut Federle
Untitled, 1994
Acryl auf Leinwand
240 x 360 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Apport FOCUNA
Ankauf 1996
© Foto: Rémi Villaggi

Helmut Federle arbeitet unter Umgehung der mittleren Größen nur im Klein- oder Großformat. Er entwickelt die Untersuchungen seines malerischen Themas meist in den Variationen einer Serie. Untitled, ein 1994 entstandenes großformatiges Bild, ist ein gutes Beispiel für die malerische Subtilität seines Werks. Seine drei Formen in zwei Farben scheinen auf den ersten Blick einem einfachen geometrischen Schema zu entsprechen. Ein Spiel der Proportionen zwischen den beiden Rechtecken und der „Z“-Form gestaltet die Oberfläche. Leichte Abweichungen stören indes eine allzu perfekte Harmonie wie auch der an Nuancen reiche Farbauftrag nicht glatt ist, was den aufmerksamen Betrachter zu einer Betrachtung führt, die ihn über sein eigenes Sehen nachdenken lässt. Federles Werke, die auch als „metaphysische Abstraktion“ bezeichnet wurden, führen auf exemplarische Weise den Reichtum der Betrachtung einer „einfachen“ Form vor Augen.

Basic on Composition

Helmut Federle
Basic on Composition LVIII (Essen), 1993
Öl auf Leinwand
40 x 50 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Apport FOCUNA
Ankauf 1996
© Foto: Rémi Villaggi