SKETCHES OF SPACE

19/06/2010 - 19/09/2010
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Für die Ausstellung Sketches of Space lädt Mudam acht KünstlerInnen ein, das Museum mit speziell für diese Gelegenheit konzipierten Projekten zu bespielen. Ihre Installationen werden in den für Wechselausstellungen vorgesehenen Sälen zu sehen sein und werden, aufgrund ihrer Vielfalt, unterschiedliche Herangehensweisen an den Begriff des Raumes demonstrieren.

Simone Decker : Second Life, 2010, Production Mudam Luxembourg, avec la participation de Prefalux et avec la collaboration du MNHA, © Photo : Andrés Lejona

Direkter Eingriff in die Architektur des Ieoh Ming Pei, Spielerei der Konstruktion und der Dekonstruktion, Verbindung zwischen dem Gebäudeinneren und der Außenwelt, Raum virtueller Immersion, Herausforderung an die Sehgewohnheiten der Besucher, Infragestellung des institutionellen Kontextes... In jedem dieser Projekte wird die Wahrnehmung des Museums auf ganz eigene Weise skizziert und neu umrissen.

Der deutsche Künstler Michael Beutler greift an zwei Orten ins Museum ein. Für seine Installation Flip zerlegt er die Wände, die nach der Museumseröffnung für Wechselausstellungen in einer der Galerien eingebaut worden waren, um sie anschließend mithilfe von wandhohen, bogenförmigen Eisenstrukturen zu kippen. Die auf diesen Strukturen liegenden Wände werden den Raum horizontal teilen. An anderer Stelle modifiziert der Künstler als Kontrapunkt zu Flip den Zugang zu den Ausstellungssälen der Sammlung des Mudam, indem er mithilfe eines Klapptisches Wände errichtet, die vor Ort aus Gips und farbigem Papier hergestellt werden.

Zilvinas Kempinas : Ballroom, 2010, Production Mudam Luxembourg, © Photo : Zilvinas Kempinas

Getreu ihrer üblichen Vorgehensweise, vom Kontext ihrer Intervention auszugehen, hat die Luxemburger Künstlerin Simone Decker für den Grand Hall eine großformatige Installation erdacht, mit der sie auf die vorangehende Ausstellung Schöne Neue Welt (aus Sicht der Mudam Sammlung antwortet. Über einen Turm, der hauptsächlich aus den Transportkisten der Werke der Mudam Sammlung besteht, können die Besucher in den gläsernen Turm des Grand Hall hinaufsteigen. Hier eröffnet sich ihnen eine ganz neue Perspektive auf das Gebäude und sein Äußeres, aber auch auf die Sammlung und die Institution des Museums im Allgemeinen.

Die belgische Künstlerin Ann Veronica Janssens erkundet in zahlreichen Werken mithilfe „immaterieller” und flüchtiger Elemente wie Licht, Ton oder Nebel die Grenzen der Wahrnehmung von Zeit und Raum. „Was mich interessiert”, so die Künstlerin, „ist das flüchtige, jedoch nicht, weil ich es in seinem Entgleiten aufhalten wollte, sondern, im Gegenteil, um mit diesem ‚Ungreifbaren’ zu experimentieren.” Für die Ausstellung hat sie eine quer durch den Raum verlaufende große Leinwand konzipiert, auf der mittels Rückprojektion verschiedenfarbige Bündel schnell pulsierenden Lichts zu sehen sind, die in ihrer nahezu hypnotischen Wirkung Nachbildeffekte auf der Netzhaut der Betrachter auslösen können.

Peter Kogler : Untitled (Mudam), 2010, Composition sonore : Franz Pomassl, Commande, Production et Collection Mudam Luxembourg, © Photo : Andrés Lejona

Der litauische Künstler Zilvinas Kempinas arbeitet seit einigen Jahren mit Magnetbändern für Videoaufnahmen, um daraus Installationen zu entwickeln, die in einer Fortführung der Methoden der kinetischen Kunst und der Op-Art der 1960er Jahre mit unserer Raumwahrnehmung spielen. White Noise besteht aus einer Vielzahl von Magnetbändern, die so im Raum angeordnet sind, dass sie einen Bildschirm bilden, der, von hinten angestrahlt und von Luftströmen bewegt, vibriert und einen Effekt hervorruft, der an das „weiße Rauschen” erinnert, das man von schlecht eingestellten Fernsehbildschirmen kennt. Mit seiner Installation Ballroom bietet er dem Besucher die Gelegenheit, eine Umgebung aus blauem und rotem Licht und zahlreichen, durch Ventilatoren in Bewegung versetzten Magnetbändern und Spiegelflächen zu erleben, das die für die Raumwahrnehmung üblichen Bezugspunkte durcheinander wirbelt.

In seinen Videoinstallationen überlagert der österreichische Künstler Peter Kogler Ausstellungsräume durch virtuelle Räume, in denen es von seinen immer wiederkehrenden Motiven der Ameisen, der Ratten und abstrakter Motive wimmelt, die Wände, Böden und Decken besiedeln. Seine Installation für Sketches of Space besteht aus einer 360-Grad-Projektion, die sich über alle Wände des Raumes erstreckt und den Besucher zum Eintauchen in eine virtuelle Umgebung einlädt. Das Grundmotiv besteht hier aus einem abstrakten Raster, einer Netzstruktur sich ständig bewegender Linien, in der schließlich auch organische Formen auftauchen und wieder verschwinden. Im Verlauf dieser Verwandlungen scheint sich der Raum nach und nach aufzulösen.

Vincent Lamouroux : Prodrome, 2010, Production Mudam Luxembourg, avec le soutien de Prefalux, © Photo : Andrés Lejona

Die Installation des französischen Künstlers Vincent Lamouroux beruht auf einer Reihe fiktiver architektonischer Strukturen, die von Edgar Allan Poe in den 1840er Jahren in den drei Abhandlungen Das Gut zu Arnheim, Landors Landhaus und Die Philosophie der Einrichtung beschrieben wurden und die Charles Baudelaire, sein erster französischer Übersetzer, in einer Sammlung mit dem vielsagenden Titel Habitations imaginaires (Imaginäre Wohnungen) zusammentragen wollte. Die von Vincent Lamouroux auf der Grundlage dieser Beschreibungen geschaffenen Elemente stehen im Dialog zum besonders klaren Stil der Architektur I. M. Peis.

Die italienischen Künstler Raffaella Spagna et Andrea Caretto arbeiten seit 2002 an einer gemeinsamen künstlerischen Methode zur Erkundung der Beziehungen, die den Menschen mit seiner natürlichen Umgebung verbinden. Bei ihren häufig langfristig angelegten Projekten präsentieren sie in Installationen ihre neusten Recherchen und Experimente rund um Themen wie die Umwandlung von Materie, den Begriff des Ökosystems, den Prozess der Morphogenese, die Zähmung der Naturgewalten und die Beziehung zwischen dem Natürlichen, Wilden und dem Kultivierten. Für Sketches of Space haben Raffaella Spagna und Andrea Caretto eine Installation nach dem Prinzip eines Netzwerks aus „kleinen Inseln” konzipiert, bei der ihr Interesse vor allem den Formen gilt, die von bestimmten organischen, aber auch mineralischen Elementen der Natur auf autonome Weise hervorgerufen werden.

Avant-plan : Michael Beutler : pilF (Fuma Na Banja), 2005/2010, Production Mudam Luxembourg
Arrière-plan : Cindy Sherman : Untitled # 318 (Mask), 1996, Collection Mudam Luxembourg
© Photo : Andrés Lejona

Kuratoren
Marie-Noëlle Farcy
Christophe Gallois
Enrico Lunghi
Clément Minighetti

In Zusammenarbeit mit

Mit freundlicher Unterstützung von
Musée national d’histoire et dart Luxembourg