MUDAM Logo

DAS GEBÄUDE

Die Festung als Metapher

Ieoh Ming Pei hat ein Museum entworfen, das sich auf das Fundament der Außenmauern des Festungsgebäudes stützt, das in Form eines Pfeils angelegt war.

I. M. Pei Architect Design © Animation : Christian Aschman, 2006

Daraus ergibt sich eine asymmetrische V-Form mit 45°-Winkeln, die sich über den Ruinen erhebt. Die Form der Festungsmauern findet ihren Widerhall im neuen Gebäude. So wird die Geometrie des Museums zu einer Art Fortsetzung der Festung. Der Kontrast zur Festung jedoch gestaltet sich umso interessanter, als Pei sein Gebäude mit streng geometrisch angelegten Räumen gestaltet und dabei auf gleichermaßen moderne wie klassische Formen zurückgreift. Seine Architektur ist formalistisch, nüchtern und monumental.

Das Gebäude hat eine Nettofläche von 10 000 m2, von denen 4 800 m2 auf drei Ebenen der Öffentlichkeit zugänglich sind und als Ausstellungsfläche genutzt werden. Das Tageslicht fällt über von außen nicht sichtbare Oberlichter in die Ausstellungsräume des ersten Stockwerks. An der Nordfassade weisen kleine Maueröffnungen in Richtung der „Place de l’Europe”. Die gläserne Südfassade gibt den Blick auf die Stadtteile Clausen und Pfaffenthal frei. Der Zugang zum Museum erfolgt über zwei aufeinander zulaufende Brücken, die sich über die ehemaligen Gräben der Festung spannen und zur Pfeilspitze des Museumsbaus führen.

Nachdem er den Eingangsbereich durchquert und die Garderobe zu seiner Linken gelassen hat, kommt der Besucher in einen lichtdurchfluteten Raum, die Grand Hall, das Zentrum des Bauwerks. Von hier aus gelangt man in die unterschiedlichen Bereiche. Die 33 m hohe Konstruktion aus Glas und Stahl, die sich über die Grand Hall spannt, wird von einem viereckigen Turm überragt. Die Galerie der Grand Hall bietet einen fantastischen Ausblick auf das historische Stadtzentrum, im Vordergrund erheben sich die „Dräi Eechelen” – die „Drei Eicheln” des Fort Thüngen. Im Bereich rechts von der Grand Hall befindet sich eine weitere beeindruckende Glaskonstruktion: Durch den gerundeten Grundriss des Saales, der sich durch den Verlauf des ehemaligen Fundaments ergab, war Pei gezwungen, für die gläserne Front eine gewölbte Form zu wählen. Hier befindet sich das von den Designern Erwan und Ronan Bouroullec gestaltete Café.

Links von der Grand Hall befindet sich der Skulpturengarten, dessen Glasfront im Gegensatz zu der des linken Flügels jedoch nicht gewölbt ist. So werden hier die einzelnen Elemente der Metallstruktur besonders deutlich sichtbar.

Etwas abseits des Hauptgebäudes liegt ein kleiner achteckiger Pavillon – der Pavillon Henry J. and Erna D. Leir –, der über einen gläsernen Übergang vom Skulpturengarten aus zu erreichen ist. Auch dieser Pavillon hat einen gläsernen Turm und bietet einen weiteren Ausblick auf die umliegende Landschaft.

Die beiden Ausstellungssäle im ersten Stockwerk sind über eine Treppe aus der Grand Hall oder über Seitentreppen zu erreichen, die schon für sich betrachtet architektonische Meisterwerke sind. Besonders bemerkenswert im Ausstellungsbereich des ersten Stockwerks sind die Sheddächer, die für ein natürliches, diffuses Licht ohne Schatteneinfall und Spiegelreflexe sorgen. Diese Sheddächer bestehen aus Trägern aus Architekturbeton, von denen die längsten eine Spannweite von mehr als 29 m haben. Das Licht fällt durch einheitlich verglaste Fensternischen in die Säle. Von außen sind die Sheddächer nicht zu sehen.

In Ebene -1 erwartet den Besucher eine gedämpftere Atmosphäre. Hier weicht der vertikale Lichteinfall einem Halbdunkel, denn dieser Bereich gehört Kunstwerken wie Leuchtobjekten, Videoinstallationen und Arbeiten auf dem Gebiet der neuen Medien. Daneben befinden sich der Vortragssaal mit 120 Plätzen und einem vorgelagerten Atrium, die Büros sowie die unterirdisch gelegenen Technikräume.

Die Böden der Ausstellungssäle bestehen aus Eichenholz, die Wände sind mit Gips gestaltet. Das gesamte Gebäude ist von außen mit einem honigfarbenen Kalkstein, dem „Magny doré”-Stein, verkleidet, ebenso die Wege zu und zwischen den Ausstellungsbreichen im Inneren des Museums. Einige Decken im Museum bestehen aus Architekturbeton. Ihre Verschalung lässt die Maserung des bei der Konstruktion verwendeten Weichholzes – Douglastanne – durchscheinen. Die Treppen, die die einzelnen Stockwerke verbinden, sind wahre Kunstwerke und vor Ort aus Architekturbeton gegossen.

Das Museum zeigt Ausstellungen aus allen Bereichen des aktuellen künstlerischen Schaffens. Als Ieoh Ming Pei offiziell mit der Planung des Museums beauftragt wurde, steckte die Sammlung des Mudam noch in den Kinderschuhen. So war es dem Architekten unmöglich, maßgeschneiderte Räume für bestimmte Kunstwerke zu entwerfen. Doch auch wenn Pei seine Konzeption nicht auf die Besonderheiten einiger Kunstwerke abstimmen konnte, ist sie weit davon entfernt, neutral zu sein: So wie die Form des Gebäudes standortbedingten Zwängen unterworfen war, so geschieht die Plazierung bestimmter Werke in Abhängigkeit von den Zwängen des Gebäudes. Ieoh Ming Peis Architektur versucht nicht, die Kunst zu beherrschen, sondern sie will ihr einen Raum bieten.

Architekt I. M. Pei

© Dessin : J. C. Massinon, Mudam Luxembourg, 2006

Ieoh Ming Pei entwickelte eine innovative Konzeption der Museumsarchitektur: Er macht das Museum zu einem Ort der Begegnung, an dem die Besucher sich ungezwungen bewegen und ihren Aufenthalt genießen können.

Ieoh Ming Pei wurde 1917 in Kanton in China geboren. 1935 kam er in die Vereinigten Staaten, wo er zunächst an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, später dann am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, Boston, studierte. Dort legte er 1940 seine Diplomprüfung ab. Anschliessend setzte er seine Ausbildung bei Walter Gropius und Marcel Breuer an der Harvard Graduate School of Design fort (Master-Titel 1942, Promotion 1946). 1955 wurde er amerikanischer Staatsbürger und gründete gemeinsam mit Eason Leonard und Henry Cobb sein eigenes Architekturbüro, das später zu Pei, Cobb & Partners wurde.

Pei machte sich von Beginn an um innovative städtebauliche Projekte und Baukonzepte verdient, doch zu internationalem Ruhm gelangte er vor allem durch die Planung von Bauten wie der J.F. Kennedy Library in Boston, dem Rathaus von Dallas, dem Jacob K. Javits Convention Center in New York, den Gateway Towers in Singapur oder der Bank of China in Hongkong. Heute gibt Hunderte von Gebäuden überall auf der Welt, die von ihm konzipiert wurden. Er hat in seiner beruflichen Laufbahn bedeutende Museen wie das Des Moines Center in Iowa, den Ostflügel der National Gallery in Washington, den Westflügel des Museum of Fine Arts in Boston, die Umstrukturierung des Louvre in Paris und die neue Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums in Berlin geplant.

Pei hat eine Vielzahl von Auszeichnungen und Preisen erhalten, darunter 1983 den berühmten Pritzker-Preis. Die Jury begründete ihre Wahl wie folgt: „Die Bauten von Ieoh Ming Pei gehören zu den schönsten und bemerkenswertesten dieses Jahrhunderts. Die Bedeutung seiner Arbeit geht weit über die rein formalistische Bewertungsebene hinaus, denn Ieoh Ming Pei hat sich stets für das Umfeld und den Kontext, in den er eingreift, interessiert und sich damit der Begrenzung seines Schaffens auf rein architektonische Probleme verweigert. Das hohe Maß an Sorgfalt im Detail und die Qualität der verarbeiteten Materialien machen aus seinen Bauten geradezu poetische Werke.” Im Jahr 2006 öffnen drei weitere von Ieoh Ming Pei entworfene Museen ihre Pforten: das Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxemburg, das Museum von Suzhou in Peis chinesischer Geburtsstadt und das Museum für Islamische Kunst in Doha, Katar.

 

Mudam Luxembourg
3, Park Dräi Eechelen
L-1499 Luxembourg

info@mudam.lu

Nous trouver

Accueil
+352 45 37 85-960

Standard administratif
+352 45 37 85-1

Visites guidées
+352 45 37 85-531
visites@mudam.lu

Mudam Boutique
+352 45 37 85-980

Mudam Café
+352 45 37 85-970