TOMÁS SARACENO
Kuratorin: Marie-Noëlle Farcy
Die Utopie existiert bis zu ihrer Verwirklichung.
Tomás Saraceno
Tomás Saraceno, der, inspiriert von den Prinzipien der ökologischen Philosophie und den Ideen theoretischer Vordenker wie Peter Cook, Yona Friedman oder Buckminster Fuller, voller Optimismus und Enthusiasmus die Idee einer „realisierbaren Utopie” verfolgt, erschafft Lichtinstallationen, kinetische Skulpturen, hängende Gärten oder auch aufblasbare Ballons. Diese luftigen Installationen, die als Fahrzeuge, „leichter als Luft”, konzipiert sind, werden einzig durch Sonnenenergie betrieben und aus hochmodernen Materialien hergestellt, wie z. B. einem Aerogel, einer extrem dünnen Folie, die eigens von Saraceno erfunden und patentiert wurde. Der Künstler, ein ausgebildeter Architekt, hat seinen Blick beständig in den Himmel gerichtet, doch ohne den Boden unter den Füssen zu verlieren.


Courtesy the artist, Pinksummer Contemporary Art, Tanya Bonakdar Gallery and Andersen’s Contemporary
Seine Werke, in denen sich Ingenieurswesen, Physik und Kunst auf gelungene Weise miteinander verbinden, hinterfragen die Unbeweglichkeit städtischer Entwicklungen ebenso wie den Individualismus unserer modernen Gesellschaften. In Air-Port-City beispielsweise, einem experimentellen Ansatz, den er seit einigen Jahren verfolgt und der sich von Projekt zu Projekt weiterentwickelt, stellt Saraceno ein Wohn- und Lebensumfeld vor, das in ein System von frei in der Luft schwebenden Modulen eingebunden ist. Durch die Metapher der Wolke hinterfragt der Künstler so die Begriffe des Territoriums oder der Grenze, aber auch die Idee einer nachhaltigen urbanistischen und sozialen Entwicklung. Saracenos Werk erweist sich so als ebenso poetisch wie kritisch und ist immer wieder auch von überraschender Schönheit.

Collection Mudam Luxembourg. Courtesy the artist, Pinksummer Contemporary Art,
Tanya Bonakdar Gallery and Andersen’s Contemporary

Courtesy the artist, Pinksummer Contemporary Art, Tanya Bonakdar Gallery and Andersen’s Contemporary
Für seine Ausstellung im Mudam, den dritten Teil des Zyklus Habiter (Wohnen), stellt Saraceno ein experimentelles Projekt vor (koproduziert von Mudam), das er im Jahre 2008 in der grenzenlosen Natur seiner argentinischen Heimat realisiert hat und wovon die großformatigen Fotos und der vor Ort gedrehte Film zeugen. Begeistert vom Fliegen arrangierte er gemeinsam mit seinem Team den Himmelstanz dreier großer aufblasbarer Körper, an die er ein Zelt als kleinste Wohneinheit gehängt hatte. Diese riesenhaften Ballons überstanden indes das Abenteuer nicht, sie wurden vom Winde verweht. Als Antwort auf dieses Projekt und mit zahlreichen Schnüren unter dem Himmel des Grand Hall verspannt, entfaltet sich eine der aufblasbaren Architekturen von Air-Port-City, die ein Beispiel für die zukünftigen schwebenden Wohnungen geben mag.

Collection Mudam Luxembourg. Courtesy the artist, Pinksummer Contemporary Art, Tanya Bonakdar Gallery and Andersen’s Contemporary

Collection Mudam Luxembourg. Coproduction Mudam Luxembourg et Fondazione Pier Luigi e Natalina Remotti. Courtesy the artist, Pinksummer Contemporary Art, Tanya Bonakdar Gallery and Andersen’s Contemporary
Vues de l’exposition Tomás Saraceno
Mudam Luxembourg 10.10.2009 – 03.01.2010
Photos : Andrés Lejona
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